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Wenn Freundschaften leiser werden « zurück

Das Handy klingelt, eine Nachricht kommt herein, man sieht sie, erkennt von wem sie kommt und vielleicht liest man sie sogar – und legt das Telefon dann doch wieder zur Seite. Nicht jetzt. Später wenn ich etwas mehr Energie habe.

Fast unbemerkt werden die Abstände zwischen den Antworten immer größer. Nachrichten bleiben länger liegen und Anrufe werden immer wieder ein wenig nach hinten verschoben.
Man sagt Treffen öfter ab, zieht sich mehr zurück und irgendwann meldet man sich kaum noch.

Aber wie kann das sein? Selbst bei Menschen die einem wichtig sind, sehr enge Freunde, die man doch lieb hat und nicht missen möchte.

Was von außen vielleicht wie Desinteresse wirkt, hat oft ganz andere Gründe.

Krankheiten – ganz gleich welcher Art – kosten Kraft. Manche mehr, manche weniger. Und leider verschwinden nicht alle nach ein paar Tagen Ruhe oder einer Behandlung.

Manche Erkrankungen begleiten uns über einen langen Zeitraum, Monate oder sogar Jahre. Andere betreffen die Psyche direkt. Was alle aber gemeinsam haben: Sie kosten Kraft. Man merkt zunächst gar nicht, wie sehr sich das eigene Leben verändert. Hobbys werden weniger, Unternehmungen seltener und selbst Nachrichten zu beantworten fühlt sich manchmal anstrengender an als früher.

Die Erkrankung wird langsam Teil des Alltags – und verändert ihn oft mehr, als man zunächst wahrhaben möchte. Oft geschieht das nicht von heute auf morgen. Die Veränderungen schleichen sich einfach ins Leben, in den Alltag – und irgendwann merkt man, dass vieles nicht mehr so ist wie früher.

Mit der Zeit wird das Telefon ruhiger. Man macht sich keine Gedanken darum, die besten Freunde sind einem ja trotzdem noch wichtig, nur gerade brauche ich etwas mehr Ruhe und Energie für mich.

Ich melde mich die Tage mal bei ihm oder ihr.

So vergehen immer wieder so manche Tage, man denkt im Tagesverlauf immer wieder daran den Freund / die Freundin anzurufen aber: Oh, es ist ja nun doch schon ganz schön spät geworden. Ich möchte nicht so spät schlafen gehen und wir haben uns doch wie immer, einiges zu erzählen. Morgen, dann aber etwas zeitiger.

Es wird ruhiger, die Anfragen zu Treffen und Einladungen werden seltener aber: Gerade ist das doch okay und ganz gut. Ich fühle mich gerade nicht so wohl und würde ihnen bestimmt nur die Stimmung vermiesen.

Aber um ehrlich zu sein, macht man sich oft doch immer wieder mehr Gedanken, warum man immer weniger Kontakt hat. Was ist los? Bin ich ihm / ihr überhaupt noch wichtig? Man erfährt von so manchem Treffen im Nachhinein oder bekommt Einblicke durch deren Storys in Social Media.

Warum wurde ich nicht gefragt ob ich mitmachen möchte? Wir haben so was immer zusammen gemacht und hatten immer eine richtig tolle Zeit.

Vielleicht oder sogar wahrscheinlich hätte man dann doch abgesagt und das wäre mindestens genauso unangenehm gewesen. Das ist echt verzwickt.

Vielleicht sollte ich mal offen mit ihr/ihm darüber reden? Wir haben doch immer über alles geredet. Aber was sage ich? Wird er/sie verstehen wie es mir geht? Ich weiß es doch selbst noch nicht so richtig, was da überhaupt mit mir los ist. Krankheit hin oder her, das kann doch nichts an einer so engen Freundschaft ändern!

Nein, ich werde mich wieder öfter melden.

Morgen…

Ab und zu hat man kurz Kontakt, Man fragt nach: „Hey, wie geht’s?“, es kommt eine knappe Antwort „Ganz gut und selbst?“ zurück, man wollte sich ja nur mal melden und nicht herumjammern, also schreibt man etwas wie „Schön, mir soweit auch.“ zurück. Ein richtiges Gespräch kommt nicht zustande, aber okay, hatte bestimmt gerade wenig Zeit und ich wollte mich ja eigentlich nur mal kurz melden.

Mit der Zeit ist es fast schon normal geworden, das man sich kaum noch meldet und noch viel weniger oder schon lange nicht mehr sieht. Die Freundschaft besteht aber schon so lange und ist so eng, es kommen bestimmt bald wieder bessere Zeiten.

Heute ist ein toller Tag, heute rufe ich an, mal wieder richtig schön quatschen. Das letzte mal ist ja nun auch schon ewig her.

Doch irgendwie kommt kein richtiges Gespräch, wie es unter so engen Freunden üblich ist zustande, es wirkt sehr oberflächlich, distanziert, was ist los? Mir geht es heute doch gut, wir können doch wie immer über alles reden.

„Was ist denn los? Du bist so ruhig und irgendwie ist es anders als sonst?“

Und nun wird die Katze aus dem Sack gelassen „Naja, eigentlich sind wir ja gar keine Freunde mehr …..“

Schock, das trifft einen wie ein Schlag. Tränen schießen in die Augen und plötzlich weiß man gar nicht mehr was man denken oder sagen soll. Das tut weh!

Wie kann das sein?

Aber warum?

Wir haben doch so viel zusammen erlebt?

So viele Jahre.

Und nun?

Das Leben ging weiter, nicht nur bei einem selbst, auch bei den anderen. Auch bei Ihnen hat man lange eine Rolle gespielt und haben oft an einen gedacht. Sie waren Traurig, das man immer weniger voneinander gehört und sich noch seltener gesehen hat. Sie haben auf Antworten gewartet, welche immer später kamen. Irgendwann melden auch sie sich weniger.

Während man selbst sich immer mehr zurückgezogen hat, gehen sie aus, unternehmen was mit anderen und knüpfen neue Kontakte oder intensivieren andere bestehende. Andere Menschen werden zu ihren neuen vertrauten, engen Freunden.

Da steckt gar keine böse Absicht dahinter, es waren einfach die Zeit und die Umstände.

Aber es tut verdammt weh!

Mir ging es doch bis vorhin wieder ganz gut und nun das!?

Oft merkt man in all der Zeit gar nicht, wie sehr man sich zurückgezogen und immer weniger soziale Kontakte hat. Es ist einfach normal geworden. Und nun wollte man doch endlich wieder in Kontakt treten und dann sowas.

Vielleicht ist es ja doch besser weiterhin für mich allein zu sein, zurückgezogen. Da kann mir sowas nicht nochmal passieren.

Ist es wirklich das, was man möchte? Das, was einem gut tut? War man nicht damals mit den Freunden viel Glücklicher? Man hatte jemanden zum reden, man konnte gemeinsam lachen und hat viele tolle Dinge zusammen unternommen.

Was hat die lange Zeit des zurückziehens nur mit einem gemacht?

Ganz tolle Ratgeber sagen „Geh doch einfach mal raus und unter Menschen.“.

Ja, großartig.

Und nun?

Wohin denn?

Ganz alleine?

Und was ist, wenn man sich inzwischen unter fremden Menschen verunsichert und unwohl fühlt? Zuhause, ganz allein, da ist es doch immer so schön sicher. Und dann stellt sich auch noch die Frage:

Wenn ich rausgehen sollte, unter Menschen, wie knüpfe ich Kontakte?

Einfach zu Leuten dazustellen und ansprechen?

Nee, das kann ich nicht.

Ich muss überhaupt erstmal schauen wo ich Leute in meiner Altersklasse antreffen könnte.

Nächstes Wochenende, ganz bestimmt.

Einsamkeit?

Bin ich wirklich einsam oder schütze ich mich nur vor anderen Menschen, davor wieder jemanden zu haben, den ich dann doch wieder verlieren könnte? Bin ich nicht vielleicht doch lieber allein und komme so viel besser klar? Ich muss keine Rücksicht nehmen. Ich kann mich zurückziehen wann und wie ich das will.

Aber ich sehne mich nach vertrauten Freunden, mit denen ich reden kann.

Es wäre schon schön, wenn ich wieder jemanden hätte, mit dem ich was unternehmen kann.

Ich bin ja aber auch immer gern für meine Freunde dagewesen.

Es fehlt mir doch sehr.

Ja, ich bin einsam!

Eines ist ganz sicher, es ist nicht mehr unbedingt so einfach neue Freundschaften zu schließen, wie damals war und schon gar nicht, als wir noch Kinder waren und einfach mit der Schippe zum Sandkasten gelaufen sind und das andere Kind einfach gefragt haben „Wollen wir jetzt Freunde sein?“.

Leider kann ich dir hier auch nicht sagen wie oder wo man mal eben neue Freunde findet. Was ich aber mit Gewissheit sagen kann, es gibt ganz viele denen es ähnlich geht. Viele die gerade auch allein Zuhause sitzen und sich nach einen gutem Freund oder einer guten Freundin sehnen.

Und ganz gewiss wird nicht aus jedem den man kennenlernt ein neuer Freund oder Freundin. Die meisten bleiben Bekannte. Und selbst neue Freundschaften können sich wieder ändern oder sogar zu neuen Freundeskreisen werden, zu denen man am Ende gehört.

Was es dafür braucht, ist Mut. Mut die ersten Schritte zu machen, ganz gleich wie klein diese auch sein mögen.

Vielleicht ist es eine Nachricht.

Vielleicht ein Kommentar.

Vielleicht ein Gespräch.

Vielleicht einfach nur der Gedanke, das man etwas verändern möchte.

Und vielleicht ist ja sogar dieser Artikel ein kleiner Anstoß für neue Geschichten in deinem Leben.


Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Wie hat sich dein Freundeskreis im Laufe der Zeit verändert?

Ist es dir gelungen, neue Kontakte oder sogar neue Freundschaften zu knüpfen?

Ich freue mich über deine Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren.

Und wenn du deine Gedanken lieber nicht öffentlich teilen möchtest, kannst du mir auch gern über
das Kontaktformular schreiben.

Hast du manchmal das Gefühl, dass Freundschaften leiser geworden sind?





ErgebnisseTeilnahmen: 15
Hast du manchmal das Gefühl, dass Freundschaften leiser geworden sind?
Ja, schon öfter11 / 73%
Ja, einzelne Freundschaften4 / 27%
Vielleicht ein wenig0 / 0%
Nein, eigentlich nicht0 / 0%
Darüber habe ich noch nie nachgedacht0 / 0%
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