
Es kostet oft viel Kraft, überhaupt um Hilfe zu bitten. Umso schwerer ist es, wenn man das Gefühl bekommt, dass einem gar nicht richtig zugehört wird.
Manch einer wird dieses Gefühl kennen. Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen oder chronischen Schmerzen erleben leider häufig, dass neue Beschwerden vorschnell auf bestehende Diagnosen geschoben werden.
Man fasst endlich den Entschluss, beim nächsten Arzttermin etwas anzusprechen, das man seit einiger Zeit an sich beobachtet. Vielleicht etwas scheinbar Einfaches wie: „Ich bin seit einiger Zeit sehr erschöpft und müde.“ Und das, obwohl man ausreichend und eigentlich auch recht gut schläft und schon immer eher ein Frühaufsteher war.
Spricht man dies beim Arzt an, kommt es nicht selten vor, dass die Beschwerden vorschnell auf die Psyche geschoben werden.
Doch wie soll man erklären, dass man selbst das Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt? Dass es sich anders anfühlt als sonst?
Schließlich sitzt dort ein Arzt oder eine Ärztin – Menschen vom Fach, die deutlich mehr Wissen und Erfahrung haben. Hätte man selbst die Möglichkeit oder das Fachwissen, den Ursachen genauer auf den Grund zu gehen, wäre man wahrscheinlich gar nicht erst auf Hilfe angewiesen.
Natürlich haben viele Erkrankungen unterschiedliche Symptome – so auch psychische Erkrankungen wie Depressionen. Wenn jedoch neue Beschwerden immer wieder automatisch mit einer bereits bekannten Diagnose in Verbindung gebracht werden, kann es passieren, dass andere Erkrankungen lange unentdeckt bleiben. Natürlich kann man auch „Glück“ haben und es handelt sich tatsächlich nur um ein weiteres Symptom der bestehenden Erkrankung. Oder es ist zwar etwas Neues, aber nichts Ernstes und es bessert sich wieder von allein.
Aber was ist, wenn doch mehr dahintersteckt?
Was ist, wenn sich die Beschwerden mit der Zeit verschlimmern?
Der Arzt oder die Ärztin hat schließlich gesagt:
„Das ist bei Ihrer Erkrankung ganz normal.“
Also beim nächsten Termin noch einmal ansprechen?
Nein… ich bin doch kein Hypochonder.
Und genau dort beginnt oft etwas Gefährliches.
Viele Menschen finden sich mit der Zeit damit ab, dass ihnen vielleicht nicht geholfen werden kann – oder dass ihre Beschwerden eben „normal“ für dieses Krankheitsbild seien. Und wenn es schlimmer wird, gehört das wohl einfach dazu.
Irgendwann kommen hoffentlich immer mal wieder die Gedanken und der Wunsch auf, dass sich etwas verändern oder verbessern soll. Am besten natürlich bei der eigenen Gesundheit.
Beim nächsten Arzttermin spreche ich alles noch einmal an.
Doch oft lebt man schon lange mit dieser Unsicherheit, macht sich vor dem Termin viele Gedanken darüber, was man alles sagen möchte – und am Ende behält man doch wieder einen Teil davon für sich.
Vielleicht ist gerade wieder eine neue Beschwerde dazugekommen, die angesprochen werden muss. Und plötzlich kreisen die Gedanken:
Was ist, wenn ich jetzt auch noch all das andere erwähne?
Denken sie dann vielleicht, ich würde alles dramatisieren? Dass ich schon wieder nur über meine alten Beschwerden rede?
Also spricht man erstmal nur über das Neue. Das andere vielleicht beim nächsten Mal.
Und so vergeht wieder Zeit.
Man fühlt sich hilflos, zieht sich vielleicht sogar zurück. Depressionen können sich verstärken, Hoffnung schwindet langsam.
Und während all dieser Zeit bleibt immer wieder dieselbe Frage:
Was passiert eigentlich mit der eigenen Gesundheit?
Die interessiert doch eh keinen. Ich muss wahrscheinlich einfach damit leben.
Aber ich will doch gar nicht immer damit leben müssen.
Der Arzt oder die Ärztin müsste mir doch helfen können. Das kann doch nicht einfach so bleiben.
Oder doch?
All diese Gedanken, die Erkrankungen selbst, die Symptome – und immer wieder den Mut aufzubringen, doch noch einmal etwas anzusprechen, ohne dabei so wirken zu wollen, als würde man seine Beschwerden „größer machen“, kosten unglaublich viel Kraft.
Kraft, die man an anderer Stelle eigentlich dringend brauchen würde.
Ein offenes Ohr zu bekommen und ernst genommen zu werden, ist unglaublich wichtig und entlastend.
Wenn man davon ausgeht, dass ein Patient seinen eigenen Körper meist gut kennt, weiß, wie er normalerweise funktioniert und bemerkt, wenn sich etwas verändert, entsteht überhaupt erst die Möglichkeit, gemeinsam genauer hinzusehen.
Vielleicht ist es am Ende tatsächlich „nur“ ein weiteres Symptom der bereits bekannten Erkrankung.
Doch wenn Beschwerden untersucht und ernst genommen werden, haben sowohl der Betroffene als auch der Arzt oder die Ärztin Gewissheit. Und genau diese Gewissheit kann unglaublich viel Ruhe und Zuversicht zurückgeben.
Vor allem gibt sie vielen Menschen wieder etwas zurück, das mit der Zeit oft verloren geht:
Energie.
Energie, um wieder mehr auf das eigene Wohlbefinden zu achten, Kraft zu sammeln und aktiv an der eigenen Gesundheit zu arbeiten.
Und sollte doch eine weitere, neue Erkrankung festgestellt werden, kann diese nun behandelt werden.
Auch das kann befreiend sein. Nicht unbedingt, weil plötzlich alles gut ist – sondern weil man endlich weiß, was mit einem los ist. Und weil man nun hoffentlich nicht mehr allein mit dieser Unsicherheit kämpfen muss.
Manchen Betroffenen fehlt mit der Zeit leider immer mehr die Kraft oder auch der Mut, weiterhin für sich und die eigene Gesundheit einzustehen.
Noch einmal offen mit dem Arzt oder der Ärztin reden. Noch einmal alles ansprechen. Noch einmal den Mut aufbringen, Beschwerden zu schildern – mit der Angst, am Ende vielleicht doch wieder nach Hause zu gehen, ohne wirklich das Gefühl gehabt zu haben, gehört worden zu sein.
Viele haben außerdem das Gefühl, dem medizinischen Fachpersonal nicht widersprechen zu dürfen. Schließlich sitzen dort Menschen vom Fach. Und trotzdem spürt man selbst, dass etwas nicht stimmt oder dass noch Fragen offen geblieben sind.
Und manchmal fasst man endlich all seinen Mut zusammen – und fühlt sich am Ende dennoch nicht verstanden oder nicht ernst genommen.
Hier im Burgenlandkreis gibt es unter anderem für genau solche Situationen eine Anlaufstelle:
den Patientenfürsprecher im Burgenlandkreis.

Jsme MILA
Andrea Piacquadio
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Jsme MILA
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