
Die Tage zwischen den Jahren fühlen sich oft anders an. Die Zeit scheint langsamer zu laufen, Termine verlieren an Bedeutung, und irgendwo zwischen Jahresende und Neuanfang entsteht ein kleiner Zwischenraum. Kein richtiges Gestern mehr, aber auch noch kein Morgen. Einfach ein Dazwischen.
Viele nutzen diese Zeit, um Bilanz zu ziehen. Was war gut? Was hätte besser laufen können? Was soll sich ändern? Doch manchmal ist genau das nicht nötig. Manchmal tut es gut, nichts auszuwerten, nichts zu optimieren, nichts neu zu planen.
Ein Jahr darf einfach enden
Dieses Jahr war vielleicht leicht. Oder schwer. Oder beides. Für die meisten war es nicht eindeutig. Und das ist in Ordnung. Nicht jedes Jahr braucht ein Fazit, nicht jede Erfahrung eine Erklärung. Manches darf einfach da gewesen sein – ohne Bewertung, ohne Schlussstrich mit Ausrufezeichen.
Zwischen den Jahren geht es weniger um Antworten als um Atemholen. Um das leise Wahrnehmen dessen, was noch nachklingt. Und um das Zulassen von Müdigkeit, Dankbarkeit, Wehmut oder Erleichterung – manchmal alles gleichzeitig.
Der Druck des Neuanfangs
Kaum ist das alte Jahr vorbei, wartet das neue schon mit Erwartungen. Neue Vorsätze. Neue Ziele. Neue Versionen von uns selbst. Doch nicht jeder Neuanfang muss laut sein. Und nicht jede Veränderung beginnt am 1. Januar.
Vielleicht ist der ehrlichste Start ins neue Jahr kein Plan, sondern ein Gefühl. Ein inneres „Ich darf so weitermachen – nur ein bisschen freundlicher mit mir selbst.“
Was wir mitnehmen dürfen
Es muss nicht alles bleiben. Aber auch nicht alles gehen. Manche Erfahrungen haben uns geprägt, auch wenn sie unbequem waren. Manche Dinge haben sich bewährt, auch wenn sie unscheinbar sind. Zwischen den Jahren dürfen wir auswählen – ohne Eile.
Was hat getragen? Was hat genährt? Was darf bleiben, ohne dass wir es erklären müssen?
Ein leiser Übergang
Das neue Jahr kommt ohnehin. Ob wir bereit sind oder nicht. Vielleicht ist das Tröstliche daran, dass wir nichts beweisen müssen. Kein neues Kapitel schreiben, wenn uns gerade nicht danach ist. Manchmal reicht es, die Seite einfach umzublättern.
Und vielleicht ist genau das die Qualität dieser Tage: still zu werden, ohne stehenzubleiben. Abschied zu nehmen, ohne alles loslassen zu müssen. Weiterzugehen, ohne schon zu wissen, wohin.
Zwischen den Jahren liegt kein Auftrag. Nur eine Einladung: kurz innezuhalten – und sich selbst mit ins neue Jahr zu nehmen.

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